Hugo Chávez entlarvt (Teil 1)
Ich habe mich entschlossen diese Artikelserie zu beginnen, weil sich besonders bei meinem jüngsten YouTube-Upload zeigte das viele Leute ein falsches Bild von Venezuela beziehungsweise Hugo Chávez haben.
Ich werde mich hauptsächlich auf Kritikpunkte des Users “Dennizis” beziehen, da sich mit diesem bereits eine längere Diskussion entwickelte.
In Deutschland geht es demokratischer zu als in Venezuela
Ich denke das kann man so auf keinen Fall sagen, denn Deutschland ist schon lange keine Demokratie mehr. Hier gibt es sicherlich jede Menge Beispiele, ich möchte mich aber auf die - meiner Meinung nach - wichtigsten beziehen.
- Deutschland besitzt noch immer keine Verfassung. Beim Grundgesetz handelt es sich nicht um eine solche. Das Grundgesetz sollte für eine Übergangszeit gelten, was nicht nur aus einer Rede von Carlo Schmid hervorgeht, sondern auch aus dem Grundgesetz selbst. Dort hieß es in Artikel 146 bis zum 31. August 1990:
“Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.”
Und heute steht dort:
“Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.”
Wann bekommt Deutschland dann endlich eine “in freier Entscheidung beschlossene” Verfassung? - Deutschland gilt noch immer als Feindstaat (siehe UN-Feindstaatenklausel). Mit ihrem Beitritt zur UNO 1973 hat die BRD die Feindstaatenklausel unterschrieben. De facto befindet sich Deutschland noch immer im Kriegszustand. Daran ändert auch der 4+2-Vertrag nichts, da die BRD nichts Rechtsnachfolger vom Deutschen Reich ist und auch niemals werden kann.
- Das Grundgesetz hat keinen Geltungsbereich mehr. James Baker hob den damaligen Artikel 23 des Grundgesetzes am 18.07.1990 auf. Artikel 23 legte bis dahin den Geltungsbereich fest, ohne diesen hört die BRD auf zu existieren, da ihr jegliche Rechtliche Grundlage fehlt. (siehe)
- Nehmen wir jetzt mal an das heutige Deutschland wäre in irgendeiner Weise noch eine ehrliche, funktionierende Demokratie. Dann wäre diese spätestens mit der Ratifizierung des EU-Reformvertrags, am 24. April 2008, verloren gegangen. Deutschland geht somit am 1. Januar 2009 in Großeuropa auf. Das die jetzige Regierung überhaupt nicht das Recht hat irgendwelche Verträge zu unterschreiben, wollen wir jetzt mal wissentlich ignorieren. (siehe)
Besonders dieser Punkt zeigt auch wie “frei” die Medien in Deutschland sind. Wurden wir, das Volk, darüber aufgeklärt worum es im EU-Reformvertrag geht? Nein. Es gab einen totalen Medien-Blackout. In Deutschland sind die Medien nie die vierte Säule der Demokratie gewesen.
Übrigens, in Artikel 20 des Grundgesetzes steht:
“(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.”
Wann wurde hier das letzte mal über irgendetwas Abgestimmt? Bei der Einführung des Euro, bei der EU-Verfassung oder gar beim EU-Reformvertrag? - Schlussendlich noch etwas das nicht direkt etwas mit der heutigen Rechtslage zu tun hat, sondern vielmehr mit unseren “demokratischen Wahlen”. In Artikel 38 des Grundgesetzes heißt es:
“(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.”
Dieser Artikel wurde bereits 1956 durch Einführung des Bundeswahlgesetzes ausgehebelt. Durch die illegale Listenwahl entscheiden die Parteien bereits im Voraus wer welchen Platz auf der Liste erhält. Der Bürger bestätigt dann nur noch die Entscheidung der Partei.
Meiner Meinung nach kann man in Deutschland nicht von einer Demokratie sprechen. Hier ist de jure seit 1956 eh jede Wahl nichtig. Kommen wir jetzt aber zurück zu Venezuela. Chávez wurde demokratisch vom Volk gewählt. Er gewann in den letzten Jahren mehrere Wahlen, und das immer (mehr oder weniger) Haus hoch. Der Putschversuch 2002 scheiterte Aufgrund des Volkes. Am Jahrestag dieses Versuches gibt es noch heute Demonstrationen in Venezuela, die pro-Chávez sind. Wenn also jemand das Volk hinter sich hat, dann ist das wohl Hugo.
2006, bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten, lag die Wahlbeteiligung bei 75%, vergleichen mit Deutschland - wo nur noch ca. 50% wählen gehen - ist das verdammt hoch.
Übrigens hatte der Nationale Wahlrat mit Sanktionen gedroht, falls im Vorfeld bereits Resultate bekanntgegeben werden sollten. Nun hatte Telesur (Hugos Projekt) dagegen verstoßen. Folge: Der Informationsminister musste seinen Hut nehmen.
Kommen wir jetzt zum größten von Dennizis’ Kritikpunkten, was Demokratie in Venezuela angeht: Die Verfassungsreform 2007. Grundsätzlich ging es dabei um folgendes:
- Beschränkung des Einflusses destruktiver ausländischer Organisationen wie z.B. die bekannten Umsturzgruppen NED, Freedom House u.a.
- Einschränkung des Rechts auf Informationsfreiheit im Ausnahmezustand
- politischer Umbau des Landes von einem rein parlamentarischen System zu kommunalen Bürgerräten - also mehr Basisdemokratie
Dieser erste Punkt würde hier (in Deutschland) wohl einfach so durchgepeitscht werden. Den Bürger fragen? Niemals. Von Informationsfreiheit kann in Deutschland wohl auch nicht die Rede sein (siehe z.B. EU-Reformvertrag), und über den letzten Punkt muss man doch gar nicht Reden. Als ob die Parlamentarier auch nur einen Teil ihrer Macht aufgeben würden.
Um noch was zum Punkt der Wiederwahl eines Präsidenten zu sagen, der ja auch kritisiert wurde: Ist es undemokratisch, wenn der Wahlberechtigte seinen Interessenvertreter wieder wählen kann, wenn er mit seiner Arbeit/Politik zufrieden ist? (Es ging darum den Präsidenten mehr als zwei Amtsperioden lang zu stellen)
Übrigens: Wie lange war der Dicke Mann in Deutschland nochmals Kanzler? War das nicht vier Amtsperioden?
Und nochmals, über diese Reform gab es ein Referendum. Hugo verlor dabei denkbar knapp mit 50,7% zu 49,3%, und akzeptierte die Entscheidung des Volkes:
Ich hatte befürchtet, dass ich (bei einem knappen Sieg) um jede einzelne Stimme hätte streiten müssen und so die Zweifel genährt hätte. Jetzt werde ich ruhiger schlafen können. Denjenigen, die gewonnen haben, wünsche ich, dass sie mit ihrem Sieg umzugehen wissen.
Wird in Europa ein Entwurf abgelehnt (Referendum über EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden), dann gibt man ihm einen neuen Namen (EU-Reformvertrag) und bestimmt ihn an der Bevölkerung vorbei.
Übrigens kann die venezolanische Bevölkerung Gesetzesänderungen und die Abwahl von Abgeordneten beantragen und gegebenenfalls auch durchsetzen, wenn sich nur genügend Unterschriften dafür sammeln lassen. Sowas gibt es tatsächlich in keinem anderen Land der Welt.
Sehr, sehr interessant und aufschlußreich! Vielen Dank für die Fakten.
Vorweg: Danke
Morgen kommt der zweite Teil
Darin werde ich klarstellen warum Chávez die Massenmedien in Venezuela nicht manipuliert oder kontrolliert, wie es hier ja so oft behauptet wird.
Artikel 146 GG: gut, daß Du darauf hingewiesen hast. Kaum einer kennt ihn.
Was Chavez angeht, bin ich weiß Gott kein Fan. Er macht einfach mit Hilfe seiner Ölmilliarden eine sozialdemokratische Umverteilungspolitik. Aber sicherlich niemand, dem man zum großen Übeltäter aufbauen muß, wie es die Bundesregierung tut. Wie Du richtig geschrieben hast, wurde er demokratisch gewählt. Der “Aufstand” gegen ihn war schlichtweg ein von den USA unterstütztes illegales Unternehmen. Nichts weswegen ich von Chavez begeistert bin, aber Venezuela darf sicherlich seine eigenen Erfahrungen machen
Man muss ihm aber zu gute halten das er seine Versprechen (den Armen zu helfen) hält.
Darüber werde ich wahrscheinlich in Teil 3 berichten
Hi Daniel, Chavez ist wirklich ein schwieriges Thema, gerade aus Sicht eines Paulianers. Auf der einen Seite überhaupt nicht Ron Paulisch, auf der anderen Seite wiederum erfrischend und vor allem macht er immer viel Krach auf der Weltbühne dass es Spaß macht…
Und bis jetzt hat er noch keine Leichen im Keller, das ist auch eher selten…
Freu mich schon auf Teil 2,3,…
Hallo Larry,
natürlich kannst du Chávez nicht unbedingt mit Ron Paul vergleichen. Meiner Meinung nach wird es aber auch schwierig für jedes Land einen “Paul-Klon” (im positiven Sinne) zu finden
Alles was ich bis jetzt über Chávez recherchiert habe, lässt auf einen durchaus ehrlichen und demokratischen Menschen schließen, der sich (bzw. sein Land) nicht von den USA o.a. ausbeuten lässt.
Wie du schon sagtest: Keine Leiche im Keller
Eine Frage: Warum sollte das Listenwahlrecht illegitim sein?
Hallo tgfx,
weil es Artikel 38 des Grundgesetzes widerspricht (den ich ja zitiert hatte).
Man wählt nicht mehr unmittelbar, direkt, etc. einen Abgeordnen, sondern eine Liste.
Ich zitiere kurz aus meine Skriptum des öffentlichen Rechts:
“Der Grundsatz des untmittelbaren Wahlrechts fordert eine direkte Wahl der Abgeordneten durch die Wähler. Im Gegensatz dazu werden bei mittelbaren Wahlen die Abgeordneten durch Wahlmänner gewählt”. [...] Bei der Listenwahl gibt der Wähler seine Stimme nicht einem einzelnen Bewerber, sondern einer Parteiliste. Diese Liste umfasst einen Katalog von Personen, die sich um die Mandate bewerben. Die enthaltene Reihung der Kandidaten ist nicht unveränderlich. Der Wähler kann einen Bewerber mit Hilfe einer Vorzugsstimme hervorheben und ihm damit zu seiner besseren Reihung in der Liste verhelfen (was in der Praxis aber wenig Bedeutung hat) ABER es gibt die Möglichkeit!
Ich hoffe die Vorzugsstimme gibts bei euch auch …
Also - Listenwahlrecht ist sehrwohl legitim UND legal ^^
Bezieht sich das auf Österreich? Ihr werdet da wohl andere Gesetze haben als wir.
Ich kenne die Rechtslage bei euch nicht, aber sollte sich das auf Deutschland beziehen, dann fällt mir direkt folgender Satz auf:
“Die enthaltene Reihung der Kandidaten ist nicht unveränderlich”
Die Partei bestimmt (in Deutschland) die Position auf der Liste. Passt du der Parteiführung nicht in den Kram, erhältst du den passenden Listenplatz.
Und nochmals, im Grundgesetz steht das die Abgeordneten des Deutschen Bundestages “in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl” gewählt werden.
Durch die Listenwahl ist eine unmittelbare Wahl nicht möglich.
Dann kannst du aber jede mittelbare Demokratie in den Wind schießen
Btw - ja, die Erläuterung ist aus einem österr. Skriptum ^^
Auch bei uns bestimmt die Partei die Position auf der Liste, aber trotzdem kann ich als Wähler die Reihenfolge durch die Vorzugsstimme verändern…!
Auch bei uns ist die Wahl unmittelbar - und es gibt das Listenwahlrecht… deswegen find ich deine Aussage der “Nichtigkeit der Wahlen” etwas übertrieben, denn wäre es illegal wären bestimmt schon etliche Verfasssungsrechtler Sturm gelaufen!
Warum jede? Das ist, mal wieder, etwas was (nur) Deutschland betrifft.
Des weiteren sind wir uns aber bestimmt in folgendem Punkt einig: Eine Wahl ist nichtig, wenn gegen Regeln verstoßen wird. In diesem Fall werden die “Regeln” durch das Grundgesetz festgelegt.
Die Wahl ist, in Deutschland, aber eben nicht frei. Das heißt eine Regel wird gebrochen. Was unweigerlich zur Folge haben muss, dass die Wahl an sich ungültig ist.
Mehr zu Artikel 38
Beim Nachschlagen des Wortes “frei” hab ich folgendes gefunden:
- in Deutschland: frei (ohne staatlichen Zwang und mit freier Auswahl zwischen konkurrierenden Parteien)
- in Österreich: Die Bürger und Bürgerinnen dürfen von niemandem in ihrer Wahl beeinflusst werden, d.h. die Stimmabgabe muss frei von Zwang sein. Keine der wahlwerbenden Parteien darf durch die Wahlgesetzgebung bzw. durch die Wahlgrundsätze benachteiligt werden.
Und das trifft wohl auch bei euch zu (und ich verstehe under staatlichem Zwang den Zwang, 1. wählen gehen zu müssen und 2. überhaupt jemanden wählen zu müssen [aber du kannst ungültig wählen])
Die Interpretation des Herrn May ist da wahrscheinlich sehr subjektiv. Dass bisher noch keiner die Idee hatte? ….
Also nochmal in langsam
Laut Artikel 38 müssen Wahlen u.a. unmittelbar und frei sein.
Mit Einführung der sog. Listenwahl - die illegal ist, weil sie dem Art. 38 GG widerspricht - haben die Parteien bereits im Vorwege beschlossen, wer welchen Platz auf der Liste erhält.
Somit “bestätigt” der Wähler nur im nachherein, was Parteien bereits im Vorwege über eine - ebenfalls illegale - Parteiensteuer beschlossen haben.
Der Wähler wählt nicht mehr unmittelbar, direkt, etc. einen Abgeordeneten, sondern eine Liste.
Hi, kanst du dieses blog weiter verbreiten damit das mehr leute lesen? Vor allem an die politiker und breite massen
Und ich jetzt auch noch einmal langsam:
Nur weil einige das Listenwahlrecht als illegal interpretieren heißt das noch lange nicht, dass es illegal ist.
“Unmittelbar” ist auf eine verbotene Zwischeninstanz bezogen wie es zB in den USA der Fall ist - nämlich Wahlmänner.
Da kann im GG noch 100x direkt stehen … ^^
Chávez hin oder her - er ist immerhin überzeugter Kommunist/Sozialist (weiß aber, was er in der Öffentlichkeit sagen darf…) und schwärmt von Mao Tse Tung (= 60 Mio. Tote). Das steht in allen seinen Biografien. Man sollte ihn beobachten und nicht idealisieren.
Wenn er was Gutes tun will sollte er sich diese Webseite durchlesen, die Filme anschauen und dann auf dem internationalen Parkett darüber reden und mit seinen Ölmilliarden ein paar Millionen DVDs und Infotexte drucken lassen.
Let’s bring down the NWO together, Chávez!